Was bringt „Ried“ wirklich für die öffentlichen Verkehrsverbindungen zum Kronplatz?

Eine Analyse anhand realer Fahrpläne

Von seinen Betreibern wird das Projekt „Ried“ als einzig funktionierende Anbindung des Kronplatzes an die Pustertalbahn und praktisch als einzig mögliche Maßnahme zur Einschränkung des Autoverkehrs zum Kronplatz bezeichnet.

Hier soll anhand konkreter Beispiele überprüft werden, was das Projekt „Ried“ für die Erreichbarkeit des Kronplatzes tatsächlich bringt. Dabei werden zwei Szenarien verglichen:

Szenario „Ried“: neuer Bahnhof in Percha und neue Verbindungsbahn Percha-Herzlalm
Szenario „Shuttle“: keine neue Seilbahn, Optimierung der Anbindung des Kronplatzes mit öffentlichen Verkehrsmitteln bei bestehender Infrastruktur

SZENARIO „SHUTTLE“ OHNE ZUSÄTZLICHE INFRASTRUKTURShuttle Bahnhof Bruneck – Talstation Reischach

Der Bahnhof Bruneck wird mit einer eigenen Buslinie direkt und ohne Zeitverlust mit der Talstation in Reischach verbunden. Dabei können die Neuerungen im Pustertaler Bahnverkehr optimal genutzt werden: 

Bruneck ist seit Dezember 2008 Kreuzungspunkt der Züge. Die Züge Richtung Franzensfeste verkehren halbstündlich und kommen kurz vor der vollen und halben Stunde an und fahren kurz nach der vollen und halben Stunde ab. Damit können alle Anschlüsse Bahnhof-Reischach Talstation mit einem einzigen Fahrzeug gewährleistet werden. Wenn dafür z. B. ein Niederflur-Gelenkbus eingesetzt wird (ca. 60 Sitz- und 140 Gesamtplätze), dürfte höchstens zu Spitzenzeiten ein weiteres Fahrzeug erforderlich sein.
Der Bahnhof Bruneck bietet von der Infrastruktur her inzwischen optimale Bedingungen. Wenn der Bus vom vorgesehenen Busterninal direkt an Gleis 1 abfährt, geschieht das Umsteigen von den Zügen aus Franzensfeste, die auf Gleis 1 einfahren, ohne Höhenunterschied und praktisch ohne Fußweg. Gleis 3, von dem die Züge Richtung Franzensfeste abfahren, ist über Aufzüge erreichbar. Der Umsteigevorgang lässt sich somit in minimaler Zeit und ohne Erschwernisse abwickeln.

Der Bus fährt Bahnhof-Reischach Talstation nonstop und kann die Strecke in 6 Minuten zurücklegen (Citybus derzeit 9 bzw. 12 Minuten). Das Fahrplanmuster, basierend auf dem aktuellen Bahnfahrplan:

shuttle_bruneck

Shuttle Bahnhof Olang – Gassl

Der Bahnhof Olang wird bereits heute halbstündlich von einer Skibuslinie bedient, die die Aufstiegsanlagen in 7 Minuten erreicht und auf die Bahnfahrpläne abgestimmt ist. Die neue Bahnhofsinfrastruktur bietet hier heute schon optimale Umsteigebedingungen.

Mit Umsetzung des Halbstundentaktes auf dem Abschnitt Bruneck-Innichen lässt sich auch hier mit einem Fahrzeug eine optimale Anbindung vom Hochpustertal aus erreichen. Das Fahrplanmuster basiert auf dem voraussichtlichen Bahnfahrplan ab Dezember 2009.

shuttle_olang

Die Kombination dieser beiden Angebote ermögicht somit eine optimale Erreichbarkeit des Kronplatzes per Bahn sowohl aus Richtung Franzensfeste (Verknüpfungspunkt Bruneck) als auch aus Richtung Innichen (Verknüpfungspunkt Olang).

ERREICHBARKEIT DES KRONPLATZES: VERGLEICH DER SZENARIEN

Nun soll konkret die Erreichbarkeit des Kronplatz-Gipfels von vier verschiedenen Punkten des Pustertals aus verglichen werden: Ehrenburg, Innichen, Pfalzen und Bruneck Anichsiedlung. Grundlage ist der vorgesehene Halbstundentakt auf der Bahnlinie (im Abschnitt Franzensfeste-Bruneck bereits umgesetzt).

vergleich_ehrenburg

Das Szenario „Shuttle“ ist trotz zusätzlichen Umsteigens etwas schneller als die Variante „Ried“, weil dort sowohl die Bahn- als auch die Seilbahnfahrt länger dauert. Dabei wurde für „Ried“ angenommen, dass der Gipfel ohne Umsteigen an der Herzlalm in 18 Minuten erreichbar ist, was nach aktuellen Planungen nicht gewährleistet ist.

Die schnellste Verbindung wird hier mit dem direkten Skibus erreicht, der zudem den Vorteil hat, am Abfahrtsort mehrere Haltestellen bedienen zu können. Allerdings ist diese Lösung finanziell aufwändiger als die Nutzung der Bahn. Bei größeren Entfernungen wächst der Vorteil der Bahn

vergleich_innichen

Auch in diesem Fall ist die Fahrtzeit mit der Variante „Ried“ nicht besser, aus demselben Grund. Der direkte Skibus schneidet zeitlich schlechter ab und ist nicht nur aufwändiger, sondern angesichts der Distanz auch weniger attraktiv als die Nutzung der Bahn.

vergleich_pfalzen

Die Variante „Ried“ schneidet hier eindeutig schlechter ab. Am attraktivsten ist sicherlich ein direkter Skibus nach Reischach.

vergleich_anichsiedlung

Für die Gebiete der Stadt, die nicht in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof liegen, bietet das Projekt „Ried“ keine Verbesserung im Vergleich zur heutigen Situation. Ein Zubringer zum Bahnhof und die Bahnfahrt nach Percha stellen eine aufwändige und langsame Lösung dar. Mit direkten Zubringerlinien zur Talstation in Reischach werden die schnellsten und attraktivsten Verbindungen erreicht.

FAZIT

Die Fahrtzeiten im Überblick:

vergleich_ried

Die Analyse zeigt, dass das Projekt „Ried“ gegenüber den Möglichkeiten mit bestehender Infrastruktur fahrtzeitmäßig keine Vorteile bringt.

  • Für den Raum Bruneck bringt „Ried“ keine Vorteile. Einzig für die Gebiete in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Bruneck und St. Lorenzen ist die Nutzung der Bahn eine Möglichkeit, die allerdings auch nicht bessere Fahrtzeiten bietet als die Zubringer zur Talstation Reischach.
  • Auch für die Ortschaften entlang der Pusteraler Bahn bietet „Ried“ keine besseren Fahrtzeiten, als sie mit heutiger Infrastruktur möglich sind. Mit einer angemessenen Logistik (eigene Shuttlebusse, Minimierung der Fußwege) kann auch der Nachteil des zusätzlichen Umsteigens relativiert werden. Ausschlaggebend ist hier – wie im regulären öffentlichen Verkehr – die Gewährleistung einer zuverlässigen und gesicherten Verbindungskette. Dafür bietet die erneuerte Bahnhofsinfrastruktur in Bruneck und Olang optimale Voraussetzungen.

Bruneck, 22.01.2009
Für die Grüne Ratsfraktion
Hanspeter Niederkofler

Dokument in PDF-Format (114 KB)

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