Bahntrasse verlegen?

Die Brunecker Freiheitlichen haben eine alte Schnapsidee zur Verlegung der Bahntrasse auf die Südseite der Stadt ausgegraben. Der Vorschlag ist schon von seinen Dimensionen her unrealistisch und  verdient an und für sich keine besondere Diskussion. Trotzdem ein paar Anmerkungen dazu:

  • Der Vorschlag ist bahntechnisch ein absoluter Unsinn. Während man sich im Pustertal seit Jahren um die Riggertalschleife bemüht, die den Umweg und das Wendemanöver in Franzensfeste erspart, schlägt man hier allen Ernstes die Errichtung eines Kopfbahnhofes (!) vor. Die Züge sollen also von Innichen kommend über eine Schleife einfahren,  wenden und wieder ausfahren. Mit so einem Wendemanöver gehen 5-10 Minuten verloren, dabei sind die Fahrtzeiten der Bahn so schon verbesserungswürdig. Kein Planer, der eine Ahnung vom Bahnbetrieb hat und dem eine attraktive Bahn am Herzen liegt, kann  eine solche Idee ernsthaft in Erwägung ziehen.
  • Urbanistisch gesehen ist die Bahnlinie neben dem Schlossberg und der Rienz eines der Elemente, die die Form der Stadt definieren. Die Trasse wurde vor 140 Jahren errichtet und hat die urbanistische Entwicklung, die knapp 100 Jahre später eintrat, positiv mitgegprägt. Wenn z. B. die Stadt nicht Richtung Dietenheim ausgefranst ist und das nordöstliche Wohngebiet Brunecks heute eine hohe Lebensqualität aufweist, liegt das auch daran, dass dieses Gebiet durch die Bahntrasse begrenzt und vor Durchquerung geschützt wird. Die Bahntrasse bietet weiter die Möglichkeit, noch eine oder zwei Haltestellen im Stadtgebiet zu errichten, z. B. unmittelbar neben dem Krankenhaus, und damit die Stadt für den öffentlichen Verkehr wesentlich besser zu erschließen – natürlich nicht, wenn man die Trasse stillegt und zubaut. Erfahrungsgemäß ist von solchen Operationen vielleicht ein Geschäft für ein paar Baufirmen zu erwarten, aber keine Verbesserung der urbanen Qualität.
  • Bruneck wird trotz Umfahrungen und Tiefgaragen jeden Tag von einer Blechlawine überrollt, die jeden verfügbaren Platz im öffentlichen Raum einnimmt, und da soll plötzlich die Bahn das Problem sein? Dass sich z. B. der Verkehr beim Bahnübergang staut, kann also nicht etwa daran liegen, dass zu viel Verkehr in die Stadt drückt, sondern es liegt an der Bahn? Die rollenden Blechkisten, die alles verstopfen sind unser Problem, nicht die Züge.
  • Bruneck braucht keine großen Erweiterungsflächen mehr. Der Flächenfraß muss ein Ende haben, die Stadt wird und soll sich nicht unbegrenzt ausdehnen. Für künftigen Wohnbau bieten die Kasernenareale, die nach und nach frei werden, eine angemessene Möglichkeit, und was noch an Erweiterungen benötigt wird, dafür finden sich die Flächen auch ohne wahnwitzige Operationen, die vielleicht Spekulanten und Bauwirtschaft attraktiv erscheinen mögen, von denen sich die Stadt aber keine Vorteile zu erwarten hat. Im übrigen gibt es reichlich leer stehende Kubatur, die verwendet werden kann, bevor man neue Flächen verbaut.

Die Bahntrasse bleibt wo sie ist und soll in Zukunft dazu genutzt werden, mit weiteren Haltestellen den Zugang der Brunecker und Pustertaler Bevölkerung zu ihrer Bahn zu verbessern. Auch am Bahnübergang in der Andreas-Hofer-Straße sind keine Großbauten zu errichten, die nur dazu dienen, den Verkehr schneller in die Innenstadt zu pumpen. Stattdessen sind endlich alle technischen Möglichkeiten zu nutzen, die Schließzeiten der Schranken zu reduzieren und es soll im Rahmen des Ausbaus des Fuß- und Radwegs entlang der Bahntrasse eine Fußgänger- und Radfahrerunterführung zwischen Anichsiedlung und Krankenhaus errichtet werden.

09.02.2010
Für die grüne Ratsfraktion
Hanspeter Niederkofler

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Ein Kommentar zu “Bahntrasse verlegen?

  1. Wer will denn die Bahntrasse versetzen? Natürlich solche, die da draußen wohnen. Wo draußen? Im Andreas-Hofer-Areal. Hoffentlich überwiegt die Vernunft! Die paar Baufirmen in Bruneck wissen so und anders nicht mehr, wie sie mit den Arbeiten nachkommen und werden immer reicher, weil sie so und anders das Monopol in der Hand haben und mit den Preisen sowieso tun können, was sie wollen.

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