Zum Wahlausgang

Die Gemeindewahlen 2010 sind vorbei, nach Monaten der Erwartungen und Prognosen gibt es nun ein Ergebnis, das in den nächsten 5 Jahren die Arbeit im Gemeinderat bestimmen wird.

Für die Grünen ist es bedauerlich, vier Prozentpunkte und zwei Mandate einzubüßen. Das Ergebnis verdient allerdings eine etwas nähere Betrachtung.

2005 haben die Grünen ihr bisher bestes Ergebnis erreicht, 14,5% und 5 Mandate, auch dank der günstigen Verteilung der Reststimmen und der Listenverbindung mit der Bürgerliste. Damals waren die Bedingungen für uns allerdings überaus vorteilhaft. Die Wahl war in erster Linie von einem massiven Stimmenverlust der SVP geprägt, knapp 20 Prozentpunkte und 6 von vorher 22 Sitzen. Diese Stimmen gingen dabei zum überwiegenden Teil an die Grünen und die neu gegründete Bürgerliste – das ökosoziale Lager wuchs damit um 19 Prozentpunkte und 7 Mandate.

Bei realistischer Betrachtung ist allerdings klar, dass man nicht erwarten konnte, dass alle neu dazugekommenen Stimmen auf Dauer in diesem Lager bleiben, dazu waren wohl auch die Gründe, der SVP den Rücken zu kehren, zu unterschiedlich. In diesem Sinn kann man von zum Teil „geliehenen“ Stimmen sprechen, d. h. Wählerinnen und Wähler, die aufgrund spezieller Umstände gewonnen werden konnten, die aber keine Bindung entwickelt haben und deshalb weiter mobil sind.
Die Grünen haben bei diesen Wahlen mit 10,3% jedenfalls ein deutlich besseres Ergebnis als 2000 erzielt, als es zudem noch keine Bürgerliste gab, und beide Listen zusammen erreichen jetzt knapp 20%. Damit ist das ökosoziale Lager im Gemeinderat weiterhin stark vertreten.

Die SVP hat diesmal 1,2 Prozentpunkte gewonnen und ihre Mandate bestätigt. Vor fünf Jahren sah man den Stimmenverlust noch als Betriebsunfall und gab sich zuversichtlich, die Abgewanderten wieder zurückholen zu können. Heute jubiliert man darüber, nicht weiter verloren zu haben.

Im Lager der deutschsprachigen Rechten sind diesmal nur die Freiheitlichen angetreten. Sie haben vor allem vom landesweiten Trend profitiert und 11,9% erzielt, mit deutlichem Zuwachs vor allem in den Fraktionen. Von den Ergebnissen in anderen Ortschaften oder vom Brunecker Ergebnis bei den Landtagswahlen 2008 ist man aber weit entfernt. Damals kam die SVP auf 48,5%, die deutsche Rechte auf 26,4% (davon Freiheitliche 17,4%), Grüne/Bürgerlisten auf 9,5% (mit Bürgerbewegung 11,7%). Der Rechtsrutsch ist damit in Bruneck deutlich eingebremst.

Ein Vergleich der letzten drei Gemeindewahlen nach politischen Lagern:

Der Wahlkampf war inhaltslos wie selten. Die SVP ging mit Präsenten hausieren und vermied konsequent alles, was man als Aussage werten könnte. Nebenbei brachte sie erwartungsgemäß ihren Machtapparat und ihr System von Einflussnahmen, Abhängigkeiten und Gefälligkeiten auf Hochtouren. Das klienteläre System greift auf Gemeindeebene immer noch am stärksten, daher ist es gerade bei den Gemeindewahlen am schwierigsten, die Übermacht der SVP zu brechen. Die Partei konnte ihre absolute Mehrheit verteidigen, nicht aber aber den verlorenen Konsens zurückgewinnen. Das politische Gefüge in Bruneck wird wohl weiter in Bewegung bleiben.

Die Freiheitlichen haben nicht mehr als ihre übliche Sammlung an Sprüchen präsentiert, ihr Erfolg ist wohl weniger auf die Qualität ihres Angebots als auf eine bedenkliche Stimmung in einem Teil der Bevölkerung zurückzuführen. Der lokale Ableger von Berlusconis Freiheitspartei hat sich auch weniger mit Inhalten als vielmehr mit ethnischen Zusammenhalte-Parolen gemeldet und damit etwas zugelegt, ohne die Zahl der Mandate zu erhöhen.

Die Wahlbeteiligung lag bei 73,4%, ein neues Minimum für Gemeinderatswahlen – im Vergleich: Gemeindewahlen 2005: 76,3%, Landtagswahlen 2008: 80,2%, Parlamentswahlen 2006: 87,9%.

Das Gesamtergebnis nach Fraktionen:

Die Grünen haben in ihrem Wahlkampf weder auf Schleimen noch auf Schreien gesetzt und klar ihre Werte und Inhalte vermittelt. Wir verzichten nicht auf Klarheit und Geradlinigkeit, um auf ein paar zusätzliche Stimmen zu spekulieren. Das war unsere Botschaft, und dafür haben wir die klare Unterstützung unserer Wählerinnen und Wähler erhalten. Die drei Gemeinderäte, die sich wieder der Wahl gestellt haben, sind bestätigt worden. Mein persönliches Ergebnis werte ich als Bestätigung und als Auftrag. Wir bedanken uns für das Vertrauen und setzen unsere Arbeit fort.

21.05.2010
Hanspeter Niederkofler

Links:

Ergebnisse Gemeinderatswahlen 2010
Ergebnisse der Wahlen in Südtirol ab 2000

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3 Kommentare zu “Zum Wahlausgang

  1. danke lieber hanspeter, danke liebe brunecker grünen,
    für diese analyse, vor allem aber für euren seriösen und fundierten einsatz im gemeinderat und im wahlkampf. Auch ich finde ihr habt ein gutes ergebnis eingefahren und von den wählerInnen eine klare, positive rückmeldung zu eurer geleisteten arbeit erhalten.
    Bruneck bleibt grün. Euch allen wünsch ich viel lust am weitermachen. Unterkriegen lässt ihr euch sowieso nicht!
    brigitte

  2. Grazie anche da parte mia, Hanspeter. E Buon lavoro in consiglio comunale con una base di voti che spero più solida e duratura del boom del 2005.
    Tuttavia su questo fenomeno dei „voti in prestito“ bisognerebbe approfondire l’analisi. Il fenomeno si è manifestato per tutto il ciclo provinciali 2003- comunali 2005 e ha riguardato soprattutto l’asse Rienza-Isarco. Va capito meglio.
    Perché d’altra parte si può anche dire: tutti i voti sono in prestito! (del resto noi verdi diciamo che perfino il pianeta è in prestito…) Cioè tutti i voti sono un investimento sul futuro che l’elettore/trice fa, e poi vede se frutta. Se i voti in prestito se ne tornano via, vuol dire che chi ha fatto l’investimento lo ha ritenuto poco fruttuoso, oppure che vede dopo 5 anni la possibilità di farlo meglio fruttare altrove.
    Inoltre, c’è da chiedersi se chi ha fatto l’investimento ha avuto, in quel momento, la possibilità di capire bene su cosa investiva. Esempi di investimenti basati su giudizi sbagliati ce ne sono a iosa, anche in politica.
    Tutte queste domande rimandano al soggetto in campo, cioè a noi verdi, alla nostra azione, al nostro profilo. Su questo credo che da adesso all’autunno dovremo aprire una seria discussione: in fondo, ci aspettano 3 anni senza elezioni che ci porteranno alle prossime provinciali.
    Forse tu, Hanspeter, potresti provare a fare un’analisi su scala provinciale?
    Comunque, se il 10% fosse un risultato diffuso su tutta la provincia, ci metterei la firma subito!
    Dunque bravi in ogni caso e in bocca al lupo.

    • grazie, ci mettiamo al lavoro…
      Sui „voti in prestito“: nel 2005 siamo riusciti a captare bene lo scontento verso l’SVP che si stava diffondendo, eravamo ben presenti nei temi allora più discussi, per esempio il traffico (strada della Pusteria, transito, BBT,…). Si sono potuti raccogliere così voti anche da parte di chi non si identificava più di tanto nei Verdi in senso culturale, ma ha voluto sostenere quelli che „vanno contro“ in modo più convincente. Inoltre avevamo candidati forti che hanno facilitato il passo. Evidentemente è difficile tenere questi voti con un clima che è cambiato e con temi e dinamiche che per noi sono più insidiosi. „Purtroppo“ ci ostiniamo ad essere coerenti con i nostri valori e per esempio su crisi e migrazione diamo risposte che non tutti sentono volentieri. Ma il nostro compito non è correre dietro agli umori e alle paure, ma convincere con una proposta seria, responsabile e coerente. E‘ più difficile in questo modo aumentare rapidamente i consensi, ma a lungo andare è l’unico modo, anche perché non possiamo certo rafforzare i Verdi smettendo di essere verdi…

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