Brunecker Radikalschnitt

Neue Südtiroler Tageszeitung, 06.02.2013 – Einst standen die Pappeln stolz in den Aufhofner Feldern. Jetzt aber wurden die schönsten Äste abgesägt – angeblich aus Sicherheitsgründen.
von Silke Hinterwaldner

„Als ich noch klein war, waren diese Bäume schon groß.“ Georg Peintner verbindet aber nicht nur Kindheitserinnerungen mit den erstaunlich hohen Pappeln, die an der Straße von Bruneck nach Aufhofen stehen. Für ihn sind die mächtigen Bäume Naturdenkmäler, die einen besonderen Schutz verdienen.

Als der Grüne Brunecker Gemeinderat am vergangenen Wochenende die Straße entlanglief, staunte er nicht schlecht: Die Pappeln ragten nicht mehr in all ihrer Pracht in den Himmel, bis weit nach oben hatte jemand sämtliche Äste abgesägt. „Weder waren die entfernten Äste dieser Baumriesen morsch, noch, auf dieser Höhe, eine Behinderung für den Verkehr“, sagt Georg Peintner kopfschüttelnd. 

Wer ist für die Bäume verantwortlich? Was war passiert? Eines vorweg: Die Pappeln befinden sich auf privaten Grundstücken entlang einer Gemeindestraße. Das heißt: We3der der Straßendienst des Landes noch die Gemeindebehörden sind zuständig für die drei mächtigen Pappeln. Aber: Der Baumbesitzer war bereits vor einiger Zeit an die Gärtner der Stadtgemeinde herangetreten. Er hatte befürchtet, dass früher oder später einer der schweren Äste auf die Straße oder auf den Spazierweg krachen und dabei Schaden anrichten – oder gar jemanden verletzen könnte. Aber Stadtgärtner Nikolaus Engl musste ihn wieder verschicken. Er sagt: „In diesen Fällen ist die Stadtgärtnerei nicht zuständig.“

Nachdem diese Frage geklärt war, machte sich der Baumbesitzer wohl auf und löste das „Problem“ auf eigene Faust. Er schnitt so viele Äste ab, dass nun jegliche Gefahr gebannt sein dürfte. „Man mag froh sein, dass die Leiter wohl nicht höher war“, kommentiert Georg Peintner.

Aber er möchte gar nicht dem Besitzer des Grundstückes die Schuld in die Schuhe schieben. Vielmehr schlägt er vor, in derlei Fällen die Gemeinde einspringen zu lassen. „Dass ein Privater sich zu schützen versucht, ist verständlich“, sagt Peintner, „aber vielleicht könnte die Stadt die Verantwortung und damit auch die Pflege und den Schutz dieser prächtigen Bäume übernehmen.“

Fürs erste ist es für die Pappeln an der Aufhofner Straße aber zu spät. Das ärgert den Grünen Gemeinderat furchtbar, vor allem weil er jeglichen Sinn für Ästhetik und jedes Feingefühl im Umgang mit diesn Bäumen vermisst.

Jetzt spaziert er über die Aufhofner Felder und sieht die großen Pappeln zwar immer noch von weitem. Aber der Anblick freut ihn nicht mehr sonderlich.

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