Brunecks neues Eisstadion und was es kostet

Areal neues Eisstadion

Nach Jahrzehnten des teuren Wurschtelns am bestehenden Eisstadion hat der Brunecker Gemeinderat am 30. September 2013 mehrheitlich einen Grundsatzbeschluss zum Bau eines neuen Stadions gefasst. Es traf sich zufällig, dass im Oktober desselben Jahres Landtagswahlen waren, und ebenso wollte es der Zufall, dass der damalige Bürgermeister Tschurtschenthaler auf der SVP-Liste stand.

Nun fand sich also mit Unterstützung der auslaufenden Landesregierung plötzlich die große Lösung: eine neue Anlage in der Schulzone, die allen Bedürfnissen gerecht werden soll. Ein schönes, neues Eisstadion an einem geeigneteren Ort sollte eigentlich alle zufrieden stellen. Das ausgewählte Projekt wurde kürzlich präsentiert. Nur, was kostet es, und was sind die Folgen, finanziell und urbanistisch?

Zunächst musste ein geeigneter Grund beschafft werden. Dazu schloss die Gemeinde schon im Vorfeld zwei Raumordnungsverträge ab. Der Preis war eine Bauzone im Bereich Alping in St. Georgen, die sehr problematische Wohnbauzone Aschgut in Dietenheim sowie 1,8 Millionen Euro, die über einen anderen Raumordnungsvertrag beschafft wurden und ansonsten in die Gemeindekasse geflossen wären. Der Wert des Grundes, auf dem das neue Eisstadion entstehen soll, ist im Grundsatzbeschluss mit 3,75 Millionen Euro beziffert, eingebracht von der Gemeinde. Zusätzlich wurden dabei Flächen erworben, deren künftige Nutzung noch unklar ist.

Der Stadionbau soll 15 Millionen kosten. Bezüglich Dimensionierung wurde wohl einmal mehr nach dem Wunschzettel-Prinzip vorgegangen. Was wirklich unbedingt erforderlich ist und ob 3.000 Plätze nicht einfach überzogen sind, darüber ist eine Diskussion praktisch nicht möglich. Der Gemeinderat hat die Dimensionen und die Kosten als gegeben hinzunehmen.

Von diesen 15 Millionen werden 8 Millionen über das Land abgedeckt, 7 Millionen muss die Gemeinde aufbringen. Zusammen mit dem Grund sind die vorgesehenen Gesamtkosten damit 18,75 Millionen, davon 10,75 Millionen zu Lasten der Gemeinde, das sind 670 Euro pro Einwohner/in. Davon sind 4,5 Millionen im Gemeindehaushalt aufzubringen, das übrige ist sozusagen in natura, aber eben auch nicht gratis.

Im Detail:

Vom Land sollen 8 Millionen kommen, davon 3 Millionen Schulbaugelder (hier stellt sich auch die Frage nach den Prioritäten im Schulbau), 1,5 Millionen als Landesbeitrag für Sportanlagen, 1 Million aus dem Fond des CONI und 2,5 Millionen über den Rotationsfond. Die Gemeinde muss in 20 Jahren 2,5 Millionen an den Rotationsfond zurückzahlen und weitere 2 Millionen Eigenmittel bereitstellen.

Weitere 2,5 Millionen soll die Gemeinde über das Grundstück des alten Eisstadions aufbringen. Daraus ergibt sich eine weitere Problematik. Im Grundsatzbeschluss wurde festgelegt, dass die Fläche in eine Wohnbauzone umgewidmet werden und der Erlös aus dem Verkauf der Fläche ins neue Eisstadion fließen soll. Einer solchen urbanistischen Entscheidung sollte eigentlich die Feststellung des Bedarfs sowie der Eignung der Flächen, bzw. des Fehlens besserer Alternativen vorausgehen. Hier geht man den umgekehrten Weg: Die Gemeinde möchte den Grund verkaufen und widmet ihn deswegen um. Auch das wird als fixer Input serviert, die daraus folgenden Probleme sind also ebenso als Kosten des neuen Eisstadions anzusehen.

Die Fläche des alten Eisstadions erscheint für Wohnbau nicht sonderlich geeignet, sie ist sehr peripher und relativ schattig. Zudem liegt sie im Südosten der Stadt, einem Gebiet, das verkehrstechnisch ohnehin Probleme hat. Es fehlt nach wie vor eine direkte Zufahrt vom Ring, die Aussichten darauf sind weiter sehr schlecht und die Verkehrssituation riskiert eine weitere Verschlechterung auch infolge der Fehlentscheidung, die Musikschule am bestehenden Standort auszubauen. Es fehlen also eigentlich die Voraussetzungen, hier nochmal zu verdichten. In der Folge der Entscheidung zum Eisstadion sind Überlegungen aufgetaucht, mittels Grundtausch die Wohnbauzone auf Fraktionsgründe im selben Gebiet zu verlegen. Die Problematik bleibt aber dieselbe. Auch die Auseinandersetzungen darüber, ob man den Rienz-Fußballplatz anrühren sollte, sind eine direkte Folge dieses Beschlusses. Für den Fußballplatz haben die Grünen in ihrem Programm die Umwandlung in eine frei zugängliche Grün- und Sportanlage vorgeschlagen. Wir akzeptieren keine schlechtere Lösung, nur weil der Grundsatzbeschluss zum Eisstadion, den wir im übrigen nicht unterstützt haben, hier finanziellen Druck ausübt. Gemeinde und Fraktion sind aufgefordert, allgemein vertretbare Lösungen zu finden, unter Einbeziehung der Bevölkerung des gesamten betroffenen Gebiets.

Angesichts dieser Kosten, seien sie finanzieller oder anderer Natur, fällt uns die Begeisterung über das neue Eisstadion sehr schwer. Wir wissen um die Bedeutung des Eissports für Bruneck, wir wissen auch, dass diese jahrezehntelange Problematik einer dauerhaften Lösung bedarf. Aber in einer Zeit, in der ständig auf die Verknappung der öffentlichen Mittel hingewiesen wird und in der viele Ideen und Bedürfnisse nur mit der Antwort „kein Geld“ rechnen können, verwundert es doch, wie leicht so etwas geht und wie leicht man die Folgen in Kauf nimmt. Und zu den Folgen zählen nicht nur die Belastung der Gemeindekasse, auch durch künftige Betriebskosten, sondern auch alle urbanistischen Entscheidungen, die mit diesem Projekt zusammenhängen. Auch wenn unmittelbar kein Geld fließt, sind hier Gemeingüter im Spiel, und die Verwendung der Urbanistik zur Geldbeschaffung muss auch an Grenzen stoßen. Die Gemeindeverwaltung lässt ja keine Gelegenheit aus, sich z. b. aufgrund des hohen GIS-Freibetrags oder des Verzichts auf den IRPEF-Zuschlag selbst zu loben. Sie bedenke aber, dass die Allgemeinheit auch mit Kosten belastet wird, die nicht direkt in Euro zu Buche schlagen.

23.07.2015
Hanspeter Niederkofler
Sprecher Grüne Ratsfraktion

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