Schlossgarage und Bruneck Ost: ein etwas anderer Ansatz

In der Gemeinderatssitzung am 30. Mai wurde das Verkehrskonzept für Bruneck Ost genehmigt. Ausgehend von der vorgesehenen Tiefgarage unter der Schlosswiese soll die unterirdische Zufahrt zur Garage als vollständiger Straßentunnel ausgebaut werden, der vom Parkplatz des MMM-Museums bis zum Kronplatzweg führt. Dieser Tunnel soll zusammen mit dem Kronplatzweg als Zufahrt für die Sternbachstraße und das gesamte Gebiet südlich der Rienz werden (Lamprechtsburger Weg, Schwimmbad…). Dafür soll der Verkehr an der Tennisbrücke und in Außerragen unterbrochen werden, so dass kein Schleichverkehr von Süden über die Sternbachstraße und die Tennisbrücke in andere Stadtviertel mehr möglich ist. Die Zone Moessmer wird über Stuckstraße und Willramstraße erschlossen, das „Breralager“über die Kererstraße. In der Stuckstraße wird ein ampelgeregelter, abwechselnder Einbahnverkehr eingeführt.

Nachdem auch das letzte, 2008 genehmigte Verkehrskonzept keine konkrete Lösung für Bruneck Ost vorsah, weil man sich auf keine Variante einigen konnte, und nachdem auch die nachfolgenden Vertiefungen im Sand verlaufen waren, ist dies nun das erste greifbare und durchdachte Konzept. Der Verkehr im Osten und Südosten der Stadt wird neu geordnet und auf drei Zufahrten aufgeteilt, wobei jedes Gebiet nur den Verkehr trägt, der dort seine Quelle oder sein Ziel hat. Dieses sog. Stichstraßenprinzip wird von den Grünen seit Jahrzehnten forciert, der Verkehr soll möglichst zum Ring geführt und Schleichverkehre, wie heute über den Kronplatzweg, sollen unterbunden werden. Insgesamt bringt das Konzept also durchaus eine Verbesserung im Vergleich zur heutigen Situation.

Allerdings weist der Ansatz auch bedenkliche Elemente auf:

  • Die Idee der neuen Zufahrt ist eine Folge der Garage in der Schlosswiese, die von der Stadtverwaltung seit vielen Jahren beharrlich verfolgt wird. Nach über 5 Jahren Jahren Verzögerung und dem Scheitern des geplanten Raumordnungsvertrags will die Gemeinde nun die vollen Kosten für diesen sehr aufwändigen Bau übernehmen. Über dieses Projekt ist genug geschrieben worden – es taugt de facto nur als Parkplatz für Oberstadt, Pfarrkirche und Ragenhaus und nicht als zentraler Auffangparkplatz. Dafür ist es überdimensioniert, ist zu aufwändig als mehrstöckige Tiefgarage unter der Schlosswiese und es stört ein sehr sensibles Gebiet.
  • Das Gebiet Kronplatzweg-Sternwaldele ist landschaftlich sehr wertvoll und sollte eigentlich so weit wie möglich in Ruhe gelassen werden. Die vorgesehenen Bauten bringen hier eine große Veränderung und Unruhe.
  • Der kürzeste Weg vom Südosten Brunecks zum Ring bleibt eine Anbindung vom Ring zur Moessmer. Diese sog. Moessmerrampe wird von der Gemeindeverwaltung zwar weiterhin als sinnvoll angesehen, aber auf unbestimmte Zeit verschoben, im Hinblick auf mögliche neue Bautätigkeit im Viertel. Jede Zufahrt hat Vor- und Nachteile, aber insgesamt geben wir der Moessmerrampe den Vorzug vor der Zufahrt über den Kronplatzweg. Die Moessmerrampe ermöglicht es auch, Stuckstraße und Willramstraße vom Schwerverkehr zu befreien und in die verkehrsberuhigte Innenstadt einzubeziehen. .

Es wäre auch ein anderer Ansatz möglich, was jetzt freilich eine recht theoretische Übung ist. Alternativvorschläge sind zwangsläufig weniger ausgereift als von der Verwaltung favorisierte Projekte, deren Planungen schon weit fortgeschritten sind. In dem Sinn ist eine Diskussion auf gleicher Ebene kaum möglich. Eine grundlegende Reflexion über das Projekt Schlosswiese ist leider ausgeblieben, nachdem das Hauptargument für den Standort abhanden gekommen war, nämlich, dass die Garage für die Gemeinde dank Vertragsurbanistik „gratis“ sei. Man hätte sonst vielleicht auch andere Lösungen gefunden, die nötigen Parkplätze für Oberstadt, Ragenhaus und Pfarrkirche zur Verfügung zu stellen.

Schlossgarage und Bruneck-Ost: ein anderer Ansatz. – Rot markiertes Gebiet: Hauptkonzentration an Geschäften, Lokalen und Bürogebäuden.

Eine Überlegung ist z. B., den Parkplatz des MMM-Museums an der Reischacher Straße auszubauen. Eine zusätzliche Etage und die Erweiterung auf 150-200 Stellplätze wäre dort wohl mit weniger Aufwand möglich als unter der Schlosswiese. Und statt die Autos über Tunnel und Rampen hinunter zu schicken, könnte man die Personen über einen Schrägaufzug direkt zur Oberstadt bringen. Das würde weniger als eine Minute dauern, die Wege mit dem Auto und zu Fuß würden verkürzt, insgesamt käme man sogar schneller in die Oberstadt und zum Ragenhaus. Der Tunnel für den Schrägaufzug wäre weit weniger aufwändig als ein Straßentunnel. Gleichzeitig könnte der bestehende Parkplatz in der Schlosskurve um ein Deck erweitert und ein direkter Zugang in die Unterstadt eingerichtet werden. Somit hätte man zwei Parkplätze, die verschiedene Funktionen wahrnehmen könnten. Das Gebiet Kronplatzweg-Sternwaldele würde verschont und die Schlosswiese wäre, je nach Trassierung, höchstens vom Aufzug-Tunnel betroffen.

Und als nächstes wäre dann für die Moessmerrampe die vertretbarste Variante ausfindig zu machen und in die Wege zu leiten, dass man in absehbarer Zeit dazu kommt.

Aber wie gesagt, diese Überlegungen sind Theorie. Sie sollen vor allem aufzeigen, dass andere Ansätze möglich sind.

31.05.2018
Hanspeter Niederkofler

 

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