„Erreichbarkeit“: neues Schlagwort für alte Rezepte • „Raggiungibilità“: nuovo slogan, vecchie ricette

Von der Handelskammer und ihrem Präsidenten wird neuerdings die schlechte Erreichbarkeit unseres Landes am Boden, zu Wasser und speziell in der Luft beklagt. Vom Pustertal aus kommt wie bestellt als Echo das altbekannte Gejammer von der ach so unzumutbaren Straße, die Wirtschaft und Wohlstand gefährde. Das Thema wäre ja eigentlich mehr etwas fürs Sommerloch, aber heuer darf auch die Vorweihnachtszeit dafür herhalten.

Schnelle Straßen = Wohlstand?

Die selbsternannten Vordenker unserer regionalen Wirtschaft haben wohl nie bedacht, dass dieselben Straßen, auf denen möglichst schnell und „flüssig“ unser Wohlstand anrollen soll, auch dazu dienen, die lokale Kaufkraft abfließen zu lassen, die auswärtige Konkurrenz herzuholen und die Massenwaren anzuliefern, die unserer Nahversorgung das Leben schwer machen. Mehr und schnellere Straßen bringen ab einem gewissen Punkt nicht mehr Wohlstand, von dieser Legende sollten wir uns endlich verabschieden. Die Gebiete mit der höchsten Autobahndichte sind oft genug auch die Gebiete mit der höchsten Arbeitslosigkeit. Transportwiderstände sind auch ein Schutz für kleinräumige Strukturen, das geht aus vielen Untersuchungen hervor.  Weiterlesen

Emotion gegen Vernunft

Leserbrief  – Antwort auf den FF-Leitartikel vom 12.08.2010

Herr Kurt Zimmermann meint im letzten Leitartikel, die Naturschützer hätten es einfach, denn sie könnten mit Emotionen arbeiten – den anderen blieben nur Sachargumente. Wie einfach sie es haben, zeigen wohl die klimatischen Veränderungen durch den Treibhauseffekt, die Meere voller Plastik und ausgelaufenem Erdöl, die Atommüll- und Radioaktivitätsproblematik, das Abholzen der Regenwälder und vieles mehr.

Wie sachlich und gut begründet anderseits die Argumente der Wirtschaft und z.T. auch der Landwirtschaft sind, belegen die globale Wirtschaftskrise, die gewaltigen Konflikte um Ressourcen und generell das Elend der dritten Welt, das nach wie vor von der ersten zum Großteil mitverschuldet ist.

Das unbelegte Argument, dass z.B. der Bau der Riedpiste am Kronplatz unbedingt notwendig ist, um „unseren“ Wohlstand zu erhalten, hat mit Emotionen wohl nichts zu tun? Weiterlesen