Riggertalschleife: keine Frage

Projekt Riggertalschleife - Bild: LPA - provinz.bz.it

Projekt Riggertalschleife – Bild: LPA – provinz.bz.it

Der regionale Bahnverkehr ist kein Anhängsel des Fernverkehrs, sondern die Grundlage jeder tragfähigen Mobilitätspolitik. Die Bewegungen von Ansässigen und Touristen auf kurzen und mittleren Strecken machen in allen Ländern den allergrößten Teil des Verkehrs aus. Für die Osthälfte Südtirols ist dabei die Priorität klar: bestmögliche Verbindung Bruneck-Brixen-Bozen. Brixen ist dabei als Hauptort der natürliche Knotenpunkt und bleibt internationaler Bahnhof – der überregionale Verkehr richtet sich nach der Nachfrage und der Zeitaufwand für 25 km Bestandstrecke ist tragbar. Im Pustertal muss man sich freilich auch Gedanken machen, wie man Kapazitäten für Schnellzüge schafft, die in Zukunft teilweise auch nach Norden abbiegen können.

In die Beschleunigung der Straßen flossen und fließen Landesgelder in Milliardenhöhe. Haupteffekt ist eine exorbitante Zunahme des Straßenverkehrs. Da sind Projekte wie die Riggertalschleife nur kleine Gegengewichte zur Schadensbegrenzung. Oder soll man auch 2027 für die 34 km von Bruneck nach Brixen noch eine Stunde brauchen?

20.01.2017
Hanspeter Niederkofler

Leserbrief: Fossiles Denken

aggrappati al volante di un'auto (Konk, in: "Sul filo del binario", F.M. Ciuffini 1988, ed. CAFIKommentar zum Artikel „Der Millionen-Irrtum“ in ff 15/2015, in dem beklagt wird, dass das Land nicht den „Mut“ aufgebracht habe, im Unterpustertal eine vierspurige Schnellstraße zu bauen. 

Wer sich heute noch eine Autobahn im Pustertal vorstellen will, leidet offensichtlich an fossilisierten Denkmustern. Wenn es z. B. an der in Bau befindlichen Vintler Großumfahrung etwas zu kritisieren gibt, dann die Tatsache, dass man über fünf Kilometer Flussufer ruiniert und die ruhige Talseite verlärmt, wenn man doch eine Straße hat, die nur einiger lokaler Eingriffe bedarf.

Die MeBo als Vorbild? Diese hat sich ihren Verkehr selbst produziert und das Mobilitätsverhalten im Burggrafenamt nachhaltig verschlechtert. Jährlich Millionen nutzloser Autofahrten mehr sind die Folge, Klima und Ölkonzerne bedanken sich.

Der Verkehr wächst zwangsläufig immer weiter? Ein Unsinn, der gegen elementare Logik verstößt, wie im übrigen wesentliche Teile der herrschenden Wirtschaftsdoktrin. An der Zählstelle Vintl ist der Verkehr nicht gestiegen, 2014 waren es exakt 205 Fahrzeuge weniger am Tag als 10 Jahre vorher. Verkehr und Verkehrsmittelwahl sind menschliches Verhalten, und dieses hängt von den Strukturen ab. Und wenn die Strukturen „Fahrt Auto!“ schreien, wird eben mehr Auto gefahren, auch wenn jede Woche zwei Tagungen über nachhaltige Mobilität abgehalten werden. Weiterlesen

Umfahrung Niedervintl: 28 Millionen wofür? • Variante Vandoies di Sotto: 28 milioni per cosa?

vorher • prima

nachher • dopo

Am 17. Juni wurde wieder einmal ein Band durchgeschnitten. Die Umfahrung der Umfahrung Niedervintl, Kostenpunkt 28 Millionen Euro, wurde mit den üblichen Worthülsen wie „Sicherheit“, „Lebensqualität“ und „zeitgemäße Straße“ ihrer Bestimmung übergeben. Wir haben unseren Standpunkt zu derartigen Projekten schon vor Jahren klargestellt (z. B. in unserer Stellungnahme vom Jänner 2006). Wir nehmen die Gelegenheit wahr, ein paar Überlegungen in Erinnerung zu rufen.

  • Die Umfahrung Niedervintl ist  in dieser Form überflüssig und hätte auf jeden Fall keine Priorität verdient. Niedervintl war bereits umfahren, und der kritische Abschnitt von ein paar hundert Metern im Bereich des Bahnhofs hätte z. B. mit einem kurzen Unterflurabschnitt besser, schonender und kostengünstiger behoben werden können. 2004 hat sich in einer Unterschriftenaktion in Niedervintl die absolute Mehrheit der Wahlberechtigten (!) gegen das Projekt ausgesprochen, das dann trotzdem mit geringfügigen Änderungen durchgezogen wurde. Der sinnloseste Abschnitt steht noch bevor: die Verdoppelung der Straße in der Gewerbezone, für den im Widerspruch zum Gewässerschutzgesetz die Rienz verlegt wurde, und die Verwüstung des Rienzufers auf weiteren vier Kilometern.
  • Nun hat sich Beton und Asphalt auch in die Felder im Süden Vintls gefressen, und wofür? Die Fahrtzeit reduziert sich auf diesem Abschnitt bei normalem Verkehr bestenfalls um 20-30 Sekunden. Eine Million Euro pro Sekunde, zahlt sich das aus? Abgesehen davon, dass jede „Zeitersparnis“ durch schnellere Straßen nichts als Illusion ist, weil mit jeder Beschleunigung die zurückgelegten Strecken steigen. Wir investieren Millionen, damit wir morgen noch mehr wertvolle Ressourcen durch den Auspuff jagen und noch mehr unserer Lebenszeit in unseren Blechkisten verbringen können. „Klimaland“? Nicht ganz. Weiterlesen

Verkehrsinfrastruktur im Pustertal: Verantwortung und Weitsicht • Infrastruttura di trasporto in Val Pusteria: responsabilità e lungimiranza

Mit der heutigen Eröffnung des Tunnels unter der Sonnenburg durften wir wieder schöne Worte bezüglich Sicherheit und Lebensqualität sowie Ankündigungen nächster Ausbauschritte entlang der Pustertaler Straße vernehmen.

So wie das Teilstück Sonnenburg nicht gerade ein Musterbeispiel für Respekt vor Kulturdenkmälern ist, so irreführend sind die Diskurse über Sicherheit und Lebensqualität. Die Wirklichkeit ist eine andere: Oberste Priorität hat laut Planungsvorgaben des Landes die Beschleunigung der Pustertaler Straße, und entsprechend fallen die Projekte aus. Beschleunigung dient aber weder der Sicherheit noch der sogenannten Verflüssigung des Verkehrs, sondern führt zu einer Zunahme der Emissionen, des Lärms, des Risikos schwerer Unfälle und der Stauanfälligkeit. Ginge es hingegen wirklich in erster Linie um die Entlastung der Wohngebiete, so hätte man von Anfang an anderen Kriterien folgen müssen.

Die Mittel für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur werden knapper. Wir fordern daher die Landesverwaltung auf, ihre Prioritäten zu überdenken und den Investitionen den Vorzug zu geben, die effektiv die Lebensqualität, die Sicherheit und eine Verlagerung zu nachhaltigen Bewegungsformen fördern. Weiterlesen

Beschlussantrag: Riggertalschleife • Mozione: bretella ferroviaria Val di Riga

minuettoGemeinsamer Beschlussantrag der Ratsfraktionen der Grünen und der Bürgerliste Bruneck

Eine effiziente und schnelle Bahnverbindung zwischen dem Pustertal und Bozen ist von großer Wichtigkeit und wird von der Bevölkerung deutlicher denn je gefordert.
Die Bahn wird gegenüber der Straße aber erst wirklich konkurrenzfähig sein, wenn ein kundengerechter Fahrplan angeboten wird und wenn eine direkte Verbindung von der Pustertaler Bahn zur Brennerbahn in Südrichtung zur Verfügung steht, die die Zeitverluste durch den Umweg und die Stehzeiten in Franzenfeste beseitigt.

Der Gemeinderat Bruneck unterstützt deshalb mit Nachdruck die verschiedenen Initiativen, die sich dieses zum Ziel setzen,

beauftragt den Bürgermeister, diese Erklärung bei den zuständigen Landesbehörden vorzubringen

und fordert seine Vertreter im Bezirksrat auf, eine gleich gelagerte Initiative zu ergreifen.  Weiterlesen