Beschlussantrag: Plastikfreie Gemeinde • Mozione: Comune plastic-free

pxhere.comDie Produktion von Kunststoffen hat in den letzten Jahrzehnten weltweit exorbitant zugenommen – von 50 Millionen Tonnen im Jahr 1976 auf 380 Millionen Tonnen 2017 (Wikipedia dt.). Dies ist mit hohem Ressourcenverbrauch für Herstellung, Transport und Entsorgung verbunden. Ein Teil des Plastiks landet in der Umwelt. Besonders die Meere sind weltweit immer stärker mit Plastik verschmutzt, mit verheerenden Folgen, unter anderem, weil sich das Plastik über die Nahrungskette in allen Organismen anreichert und letztlich auch die Menschen vergiftet. Es genügt nicht, bessere Müllsammelsysteme und Recycling zu forcieren, sondern es muss an der Quelle angesetzt und die Produktion speziell von Einweg-Plastik drastisch reduziert werden. Allgemein sind Verpackungen und Wegwerfartikel zu reduzieren, denn auch bei möglichen alternative Materialien wie Bio-Plastik ist sparsamer Einsatz geboten.

Die Europäische Kommission hat am 16. Januar 2018 eine europäische Strategie für Plastik beschlossen, das Europäische Parlament hat am 24. Oktober 2018 dem Entwurf einer Richtlinie für ein Verbot verschiedener Wegwerfprodukte aus Plastik zugestimmt. Das italienische Umweltministerium hat 2018 eine Initiative gestartet, um, ausgehend vom eigenen Ministerium, in allen öffentlichen Verwaltungen ein “plastic free”-Konzept umzusetzen.

Die Gemeinde Bruneck hat bereits verschiedene Maßnahmen zur Abfallvermeidung gesetzt und will diesen Weg konsequent weiter beschreiten. Im Bewusstsein ihrer Vorbildwirkung will sie in diesem notwendigen Prozess vorangehen.

Dies alles vorausgeschickt, beschließt der Gemeinderat folgende Vorgaben als Auftrag an die Gemeindeverwaltung:

  • Innerhalb der Gemeindeverwaltung und allen gemeindeeigenen Einrichtungen wird auf die Verwendung von Einweg-Plastik verzichtet. In Getränkeautomaten sollen keine Becher und Umrührstäbchen aus Plastik verwendet und keine Plastikflaschen verkauft werden.
  • Bei Anlässen und Veranstaltungen wird nach Möglichkeit normales Geschirr und Besteck und auf keinen Fall Einweggeschirr und -besteck aus Plastik verwendet.
  • Es soll eine geeignete Zahl an Trinkwasserspendern aufgestellt werden, an denen auch Trinkflaschen aufgefüllt werden können, deren Verwendung anstelle von Plastikflaschen gefördert wird.
  • Es sollen Maßnahmen zur Sensibilisierung von Betrieben und Einrichtungen ausgearbeitet werden, um den Einsatz von Einwegplastik im Gemeindegebiet konsequent abzubauen.
  • Besonderes Augenmerk soll auf die Sensibilisierung im Tourismusbereich gelegt werden mit dem Ziel, in allen Beherbergungsbetrieben auf Einwegplastik und vermeidbare Verpackungen zu verzichten.
  • In weiteren Maßnahmen zur Sensibilisierung der Bevölkerung wird besonderes Augenmerk auf die Vermeidung von Plastik und unnötigen Verpackungen gelegt.

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Wollen wir das wirklich? • Ma vogliamo farlo veramente?

Schlosswiese und Kronplatzweg: 150 Meter Straßentunnel, Kreisverkehr, dreispurige Zufahrt, mehrstöckige unterirdische Tiefgarage, Zerstörung des Kronplatzwegs: nicht notwendig und sauteuer

Das „Verkehrskonzept Bruneck Ost“ wurde am 30. Mai dieses Jahres von der Ratsmehrheit genehmigt und die Planungen für die baulichen Eingriffe laufen. Aber auch wenn es mehrfach ausführlichst präsentiert wurde, hat nie eine wirkliche Diskussion über Notwendigkeit und Alternativen stattgefunden und vielen scheint nicht klar zu sein, wie schwerwiegend der Eingriff südlich des Schlosses ist.

Seit vielen Jahren versteift sich die Gemeindeverwaltung auf die Tiefgarage unter der Schlosswiese, obwohl der Standort mehr als problematisch ist und das Hauptargument für die Standortentscheidung 2012, die Finanzierung über einen Raumordnungsvertrag, lange schon hinfällig ist. Anstatt das gesamte Vorhaben neu zu diskutieren, wurde plötzlich verlautbart, dass die Gemeinde die Garage auf eigene Kosten bauen wolle, obwohl diese Möglichkeit zuvor immer kategorisch ausgeschlossen wurde.

Und da man schon die Garage bauen „muss“, kam die Idee, aus der Garageneinfahrt einen ausgewachsenen Straßentunnel zu machen und den Südosten Brunecks über den Kronplatzweg zu erschließen. Den Kronplatzweg hätte man spätestens mit der Eröffnung der Südausfahrt für den allgemeinen Verkehr schließen können, da der Osten Brunecks nun von Reischach aus über den Ring erreichbar ist. Stattdessen soll er nun zur Zufahrt des ganzen Viertels werden. Weiterlesen

Kreuzung Aufhofner Straße: Chaos mit Ansage • Incrocio via S. Caterina: caos annunciato

13.12.2018Die Kreuzung Tauferer Straße/Aufhofner Straße/Tinkhauserstraße ist lange schon als problematisch bekannt. Zwei schräg einmündende Nebenstraßen durchschneiden hier den Fuß- und Radweg nach St. Georgen und führen häufig zu Konflikten, Risiken und Stresssituationen.

Mit der Eröffnung des neuen Supermarktes auf dem Areal der ehemaligen Finanzkaserne hat sich nun die Situation noch deutlich verschärft. Das war absolut vorhersehbar und es wurde von verschiedener Seite schon lange darauf hingewiesen.

Die Gemeindeverkehrskommission hat sich im Mai d. J. praktisch ergebnislos mit dem Thema befasst. Anscheinend sah man keinen Weg, schon im Vorfeld auf eine funktionierende Zufahrtslösung hinzuwirken und nahm die absehbare Zusatzbelastung an dieser Problemstelle in Kauf. Es wiederholt sich hier, was leider bei vielen Neueröffnungen zu beobachten ist: Die Bauten und Nutzungsveränderungen werden genehmigt, ohne dass eine glaubwürdige und durchdachte Verkehrslösung besteht und danach muss man dann sehen, wie man das entstandene Chaos irgendwie in den Griff bekommt. Das ist sehr ärgerlich. Für verkehrsrelevante Vorhaben kann eine Baugenehmigung nicht ausreichen, eine vertretbare Verkehrslösung mit Hauptaugenmerk auf den Schutz der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmenden muss zwingende Voraussetzung sein. Es reicht nicht, dass eine Nutzung urbanistisch zulässig ist. Weiterlesen

Anfrage: Kreuzung Aufhofner Straße • Interrogazione: incrocio via Villa S. Caterina

Geobrowser - provinz.bz.itDie Kreuzung Aufhofner Str. – Tinkhauserstr. – Tauferer Str. ist aufgrund ihrer besonderen Konformation eine seit langem bekannte Gefahrenquelle: Zwei schräg einmündende Nebenstraßen durchschneiden im Kreuzungsbereich mit der Hauptstraße den Fuß- und Radweg nach St. Georgen.
Mit dem in Fertigstellung befindlichen Neubau auf dem Areal der ehemaligen Finanzkaserne, in dem auch ein Supermarkt eröffnet werden soll, wird sich die Problematik noch verschärfen, da auch die Zufahrt zum Supermarkt über diese Kreuzung vorgesehen ist.
Mit dem Thema hat sich die Verkehrskommission am 2. Mai 2018 befasst. Es lag dazu auch ein Vorschlag zur Neuregelung des gesamten Kreuzungsbereiches vor, den der Anrainer Georg Peintner der Gemeindeverwaltung im September 2017 übermittelt hatte.
Da der Vorschlag mangels Grundverfügbarkeit und notwendiger Zeiten nicht unmittelbar umgesetzt werden kann und weiter zu prüfen ist, wurde vereinbart, dass von Seiten der Gemeindeverwaltung inzwischen ein Vorschlag für eine kurzfristige Entschärfung der Situation an dieser Kreuzung vorgelegt wird. Weiterlesen

Hochburg für Abgehobene: Bruneck laut neuer „Markenstrategie“

Wozu das Brunecker Stadtmarketing genau da ist, ist, seit es besteht, eine häufig wiederholte Frage. Mit wechselnden Führungskräften hat es sich um alles Mögliche zwischen Werbung, Events und Interessengruppen gekümmert. Nun soll es sich wieder hauptsächlich auf „strategische“ Aufgaben konzentrieren, und als erster Schritt wurde ein „Markenbildungsprozess“ eingeleitet, unter der Regie von BrandTrust – bislang 38 Interviews, vier Workshops und im August eine Präsentation im Ragenhaus durch Christoph Engl persönlich, Kostenpunkt 90.000 Euro.

Kann durchaus ins Geld gehen, so ein Selbstfindungsprozess. Und es scheint mir doch ein wenig vermessen, wenn man in einem erlesenen Kreis von Interessenvertretern beansprucht, eine ganze Stadt zu charakterisieren und festzulegen, wie sie sich präsentieren und welche Entwicklung sie anstreben soll. Das Ergebnis ist, gelinde gesagt, ein bisschen einseitig. Aber gehen wir einmal durch, was uns nun als „Bruneck-DNA“ präsentiert wird.

Die „Markenkernwerte“

Erstens. „Bruneck ist tatkräftig. In Bruneck verliert man sich nicht in leeren Worten, sondern greift die Dinge sofort an und scheut dabei keine Anstrengungen.“

Wir tun also viel und überlegen nicht gerne. Hauptsache ist, dass wir etwas tun, uns anstrengen und sofort. Nicht zu viel mit Sinnfragen aufhalten lassen.

Ich muss aber gemäß eigenen Erfahrungen anmerken, dass die Kunst der leeren Worte, des langen Nichtentscheidens und des dann ganz schnell Irgendwie-Entscheidens in Bruneck schon auch eine gewisse Tradition hat. Die Südausfahrt wurde 28 Jahre nach der Südumfahrung eingeweiht, die Telenovela um die Nordringverlegung misst sich gleichfalls in Jahrzehnten, ebenso wie die Frage „Was tun mit dem Eisstadion?“, die schließlich, in Vorwahlzeiten, mit der Brechstange angegangen wurde und entsprechend teuer zu stehen kommt.

Zweitens. „Bruneck ist vorausdenkend. Bruneck hat die eigene Zukunft im Blick und legt heute schon die Weichen, um diese wie gewünscht zu gestalten.“

Stimmt, bevor man Weichen stellen kann, müssen sie erst einmal gelegt werden… Punkt zwei steht ein bisschen im Spannungsfeld zu Punkt eins. Zu viel denken mindert schließlich die Tatkraft. Und was die ganzen Konzepte, Leitbilder u. ä. betrifft, die sich in den letzten Jahrzehnten so angesammelt haben – die haben immer schöne einleitende Worte von wegen Nachhaltigkeit und Gemeinwohl. Die Entscheidungen werden dann zu ca. 100% nach tagespolitischer Opportunität getroffen. Besser, wenn in den Konzepten gleich schon nicht allzu viel Greifbares drin steht. Irgend etwas von „Gestaltung der Zukunft“ und so zu schwafeln hat noch nichts mit Weitblick zu tun. Weiterlesen

Beitrag an Fotografiemuseum Kronplatz: Unsere Bedenken nochmal zusammengefasst

Rendering PMOA - Quelle: kronplatz.comDie Landesregierung hat eigenen Aussagen in der Presse zufolge im Nachtragshaushalt 2018 (LG, 17, 7.8.2018) einen Beitrag im Ausmaß von € 3.000.000.- für das derzeit im Bau befindliche Museum für Bergfotografie auf dem Gipfel des Kronplatzes vorgesehen. Der Beitrag soll an die Gemeinde Bruneck ausgezahlt werden, die ihn an die Kronplatz Seilbahn AG weitergibt, auf der Grundlage des Gemeinderatsbeschlusses vom 22.02.2017 (Nr. 2).

Besagter Gemeinderatsbeschluss war einstimmig, zum damaligen Zeitpunkt war den Gemeinderäten allerdings nicht bekannt, in welcher Höhe ein möglicher Landesbeitrag in Aussicht stand und unter welchen Umständen dieser beantragt werden sollte. Später wurde bekannt, dass dazu eigens und zeitweilig die Kriterien zur Förderung von Privatmuseen abgeändert wurden (siehe Artikel von salto.bz in der Anlage), da bis dato gewinnorientierte Gesellschaften wie die Kronplatz Seilbahn AG von Beiträgen ausgeschlossen waren. Eine Beitragsgewährung wurde nun dadurch ermöglicht, dass die Gemeinde Bruneck um den Beitrag ansucht und diesen dann an die Kronplatz Seilbahn AG weitergibt. Weiterlesen

Neue Markenstrategie für Bruneck: die Kehrseite

Herbst 2016Kommentar zur Präsentation des Stadtmarketings im Ragenhaus am 8. August 2018, Pustertaler Zeitung 17/2018

Die Präsentation der Markenstrategie war zweifellos professionell. Die Inhalte haben meines Erachtens allerdings eine sehr eingeschränkte Sicht auf unsere Stadt abgegeben. Obwohl die Industrie In Bruneck unbestritten eine bedeutende Rolle spielt, so war für diesen Bereich ein deutliches Übergewicht zu spüren.

Bruneck zeichnet sich aus durch ein reges Kulturleben, die Stadt hat eine bedeutende kulturelle Vielfalt, ein engagiertes Sozialleben, hat verschiedene Fraktionen… Bruneck ist nicht zuletzt Tourismusstadt, sogar dieser Aspekt kam meines Erachtens zu kurz.

Ich wundere mich, dass eine Handvoll Auserwählte (nicht wie Chr. Engl fälschlich gesagt hat, der gesamte Gemeinderat) unsere Stadt charakterisieren und, es blieb unerwähnt, in Zukunft die Marschroute vorgeben?

Ich gehöre zu den Personen, die im Rahmen des Entstehungsprozesses dieses Konzepts via Mail befragt wurden. Ich kann nicht erkennen, dass das Outcome mit den Fragen etwas Gemeinsames hat. Die Schlagwörter: ambitioniert, mutig, usw. sind reine Worthülsen, die man beliebig füllen kann. Vor allem das Beispiel für mutig. Das Eisstadion, das trotz Widerständen sehr groß gebaut wird. Diese Aussage lässt den Geist vermuten, der diese Arbeit begleitet.

Mutig könnte auch ein Umdenken sein unter Berücksichtigung der Zeichen der Zeit. Wir könnten die Alpenstadt sein, welche sich vornimmt, Ressourcen zu sparen, welche eine Kampagne startet zum Erhalt der Artenvielfalt, welche massiv Verkehr reduziert, welche alle Entscheidungen unter den Aspekt der Enkeltauglichkeit stellt.
Ambitioniert: Für wenige wird es zutreffen… aber was machen wir mit den nicht Ambitionierten, den nicht Mutigen, nicht Sportlichen??? Genau diese Unzufriedenen, die von dieser elitären Dynamik nichts haben, dürfen wir in der Marktstrategie nicht vernachlässigen!
Und: Was macht jetzt eigentlich das Stadtmarketing?

Johanna Ganthaler